Welche Pillenarten gibt es? Die Unterschiede im Überblick

Für die regelmäßige hormonelle Verhütung mit der Pille gibt es zwei Arten: die Kombinationspille mit Östrogen und Gestagen und die Gestagenpille, meist Minipille genannt, ohne Östrogen. Je nach Präparat unterscheiden sich die Wirkstoffe, die Einnahme und die Risiken.

„Mikropille“ und „Mehrphasenpille“ beschreiben weitere Merkmale, keine dritte Pillenart. Die Pille danach ist für Notfälle gedacht, nicht zur regelmäßigen Verhütung.

Kombinationspille und Gestagenpille

Pillenart Wirkstoffe und Wirkung Einnahme Typische Vor- und Nachteile
Kombinationspille Enthält Östrogen und Gestagen. Sie hemmt vor allem den Eisprung und verändert zusätzlich den Schleim am Gebärmutterhals. Je nach Präparat mit Einnahmepause, wirkstofffreien Tabletten oder einer anderen Einnahmefolge. Kann Blutungen schwächer und weniger schmerzhaft machen. Das enthaltene Östrogen erhöht das Risiko für Blutgerinnsel.
Gestagenpille (Minipille) Enthält nur ein Gestagen. Alle Varianten verändern den Schleim am Gebärmutterhals; Desogestrel- und Drospirenonpräparate hemmen zusätzlich den Eisprung. Im Allgemeinen täglich ohne Einnahmepause. Wie viel Verspätung zulässig ist, hängt vom Wirkstoff ab. Kommt ohne Östrogen aus und kann für manche Personen infrage kommen, die kein Östrogen verwenden sollten. Unregelmäßige Blutungen sind häufig.

Welche Wirkstoffe die Pille enthält, steht auf der Packung und in der Packungsbeilage. Kombinationspillen enthalten unterschiedliche Gestagene, darunter Levonorgestrel, Desogestrel, Gestoden und Drospirenon. Für die Wahl des passenden Präparats spielen neben dem Wirkstoff weitere Faktoren eine Rolle.

Was die Namen bedeuten

Eine Mikropille ist eine Kombinationspille mit vergleichsweise geringem Östrogengehalt. Sie enthält also weiterhin Östrogen und gehört zur Gruppe der Kombinationspillen.

Einphasenpillen enthalten in allen wirkstoffhaltigen Tabletten die gleiche Hormondosis. Bei Mehrphasenpillen ändert sich die Dosierung im Verlauf der Packung, deshalb müssen die Tabletten in der vorgegebenen Reihenfolge eingenommen werden. Mehrphasenpräparate werden heute nur noch selten verschrieben.

Auch der Langzyklus, bei dem eine Kombinationspille über längere Zeit ohne übliche Pause genommen wird, ist eine Einnahmeweise und keine eigene Pillenart. Ob diese Einnahme für ein bestimmtes Präparat geeignet ist, sollte medizinisch geklärt werden.

Einnahme und Zeitspielraum

Kombinationspillen gibt es beispielsweise in Packungen mit 21, 22 oder 28 Tabletten. Je nach Präparat folgt auf die wirkstoffhaltigen Tabletten eine Pause oder eine Reihe wirkstofffreier Tabletten. Die nächste Packung musst du zum vorgesehenen Zeitpunkt beginnen.

Bei Minipillen gilt normalerweise: täglich eine Tablette, ohne Pause zwischen den Packungen. Der zulässige Zeitspielraum bei einer verspäteten Einnahme richtet sich nach dem Wirkstoff. Die deutsche Übersicht nennt höchstens 3 Stunden bei Levonorgestrel, 12 Stunden bei Desogestrel und 24 Stunden bei Drospirenon. Diese Angaben gelten nicht automatisch für jedes Präparat. Im Zweifel ist die Packungsbeilage maßgeblich.

Nach einer vergessenen Tablette hängt das weitere Vorgehen unter anderem vom Präparat und davon ab, an welcher Stelle der Packung du bist. Eine allgemeine Regel reicht deshalb nicht aus, um den Verhütungsschutz sicher einzuschätzen. Prüfe die Packungsbeilage oder frage in einer Apotheke oder Arztpraxis nach. Das gilt auch bei Erbrechen oder starkem Durchfall kurz nach der Einnahme, weil der Körper die Wirkstoffe dann möglicherweise nicht richtig aufnimmt.

Die Pille danach

Die Pille danach ist eine Notfallverhütung nach einer Verhütungspanne. Sie enthält je nach Präparat Levonorgestrel oder Ulipristalacetat und sollte möglichst bald eingenommen werden. Die Wirkstoffe können den Eisprung verschieben oder verhindern. Sie beenden keine bestehende Schwangerschaft und ersetzen keine regelmäßige Verhütung.

Welches Präparat passt und was anschließend bei der Verhütung zu beachten ist, lässt sich in einer Apotheke oder Arztpraxis klären. Die konkreten Hinweise hängen vom Mittel und der Situation ab.

Wie sicher sind die Pillen?

Der Verhütungsschutz hängt davon ab, ob du die Tabletten richtig und rechtzeitig einnimmst.

Diese Zahlen beschreiben Gruppen und sagen nicht voraus, wie sicher die Pille bei einer einzelnen Person ist. Vergessene Tabletten, ein verspäteter Beginn der nächsten Packung und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln beeinflussen den Verhütungsschutz. Johanniskraut und bestimmte Medikamente gegen Epilepsie, Virusinfektionen oder Tuberkulose können die Wirkung beeinträchtigen. Gewöhnliche Antibiotika beeinträchtigen den Verhütungsschutz nach heutigem Kenntnisstand im Allgemeinen nicht. Bei neuen Medikamenten ist eine Rückfrage in der Apotheke oder Praxis sinnvoll.

Keine der regelmäßigen Pillen schützt vor sexuell übertragbaren Infektionen. Kondome senken das Risiko für viele dieser Infektionen.

Risiken und mögliche Nebenwirkungen

Bei Kombinationspillen ist das Risiko für venöse Blutgerinnsel erhöht.

Das persönliche Risiko hängt auch von Gesundheits- und Lebensumständen ab. Dazu zählen beispielsweise frühere Blutgerinnsel und bestimmte familiäre Vorbelastungen. Auch Rauchen, starkes Übergewicht und zunehmendes Alter spielen eine Rolle. Zu den Faktoren gehören außerdem bestimmte Migräneformen und längere Bewegungseinschränkung. Die Ärztin oder der Arzt sollte diese Faktoren berücksichtigen, bevor du eine Kombinationspille wählst. Wenn sich deine Gesundheit ändert, etwa durch eine neue Diagnose oder längere Bewegungseinschränkung, sprich erneut mit einer Arztpraxis darüber, ob die Pille für dich geeignet ist.

Auch Gestagenpillen können Nebenwirkungen haben. Zu den möglichen Beschwerden zählen Kopfschmerzen und Übelkeit. Auch Brustspannen, Stimmungsschwankungen und Veränderungen der Blutung können auftreten. Bei Minipillen treten unregelmäßige Blutungen besonders häufig auf; die Blutung kann auch ausbleiben. Welche Beschwerden auftreten, ist individuell verschieden.

Welche Unterschiede im Alltag zählen

Die Kombinationspille kann zusätzlich zur Verhütung Blutungen schwächer oder weniger schmerzhaft machen. Bei manchen Anwenderinnen verbessert sich auch Akne. Dafür muss das erhöhte Blutgerinnselrisiko in die Entscheidung einbezogen werden.

Eine Gestagenpille kommt ohne Östrogen aus und eignet sich für manche Personen, für die Östrogen nicht infrage kommt. Sie kann auch während der Stillzeit verwendet werden. Der tägliche Einnahmezeitpunkt bleibt wichtig, wobei der erlaubte Spielraum je nach Wirkstoff stark variiert. Unregelmäßige Blutungen können die Anwendung im Alltag erschweren.

Du musst beide Pillenarten täglich einnehmen und rechtzeitig eine neue Packung besorgen. Nach dem Absetzen kehrt die Fruchtbarkeit grundsätzlich rasch zurück. Bei der Wahl zählen deshalb, ob die Pille medizinisch für dich geeignet ist, wie regelmäßig du bluten möchtest und welche Einnahmeregeln du im Alltag zuverlässig einhalten kannst.